Wir bauen Sandburgen und das ist auch gut so

Wir bauen Sandburgen und das ist auch gut so

Es nervt. Es macht sogar manchmal wütend.

Und dann auch wieder nicht. Gar nicht nämlich.

Was ich meine?

Das Leben als Geschäftsmama.

Da wäre der Teil des Alltags, den die Lieblingskinder bestimmen.

Meine Lieblingskinder haben derzeit auf jeden noch so kleinen Moment meines Alltags Einfluss.

Ich gehe ja noch nicht mal alleine aufs Klo.

Momente nur für mich gibt es mal mehr, mal weniger und mal gar nicht. Nägel lackieren klappt nur mehr selten, wann habe ich schon 15 Minuten, in denen ich nichts angreifen muss?

Und überhaupt

Schon mal gelesen, was so richtig erfolgreiche Menschen angeblich in der Früh machen (steht zumindest in gefühlt jedem Buch über Erfolg geschrieben)? Sie stehen um 5 Uhr auf, treiben Sport, frühstücken gesund und um 8 Uhr oder meinetwegen um halb neun sitzen sie am Schreibtisch und starten so richtig durch. Sport um 5 Uhr früh ist der letzte Schrei. Machen alle.

Was ich um 5 Uhr in der Früh mache?

Entweder Gott sei Dank schlafen oder ein Lieblingskind davon überzeugen, dass man noch schlafen könnte, was die wahrscheinlichere Variante ist.

Was ich um halb neun mache?

Durchatmen, weil ich wieder einen Morgen mit Trotzkind und unerschrockenem Krabbelmonster überlebt habe.

Hier kommt noch ein Beispiel.

Gefühlt alle Onlinekurse, Webinare etc finden um 18 Uhr oder gleich um 19 Uhr statt.

Was ich um 18 Uhr mache?

Das Abendessen für die Lieblingskinder auf den Tisch stellen.

Was ich um 19 Uhr mache?

Zähne putzen. Zwar nicht meine, aber doch immerhin Zähne, die mir durchaus wichtig sind.

Es gibt auch reihenweise Kurse fürs private Wohlbefinden, wie Tanzen, Qi Gong, Tai Chi, Yoga, Meditation, die Liste ließe sich beliebig verlängern, die ich nicht besuchen kann. Oder Reisen. Oder Freunde treffen am Abend, lange ausgehen, in einen Club gehen – soll ich weitermachen?

Du weißt, was ich meine.

Wir haben nicht einfach spontan Zeit am Abend. Wir gehen auch nicht spontan um 5 Uhr früh laufen. Viele Dinge sind organisierbar. Der beste aller Männer, Großeltern, Nachbarstöchter, Babysitter – es gibt viele Menschen, die für die Lieblingskinder gut sorgen können. Aber alles will organisiert sein. Mich braucht um 18 Uhr niemand zu fragen, ob ich um 20 Uhr desselben Tages Zeit habe. Habe ich nicht. Fix nicht. So viel weiß ich.

Und jetzt?

Stellen wir uns den Tatsachen.

Es gibt sie. Die Webinare am frühen Abend, die wir nicht live besuchen können.

Oder die Vormittage, die wir fix als Arbeitszeit eingeplant hatten. Nur ist dann halt leider ein Lieblingskind krank geworden (oder gleich mehrere, damit es noch mehr Spaß macht).

Oder die Freundinnen, die nicht mehr anrufen, weil sie sowieso wissen, dass man keine Zeit hat.

Wie war das noch gleich?

Diesen Satz kennt jede Mutter. Und dieser Satz hilft ungemein. Seit der Lieblingssohn durchschläft (es hat nur drei Jahre gedauert, bis er ohne Flascherl in der Nacht schlafen konnte), weiß ich, dass auch die Lieblingstochter irgendwann abgestillt ist, irgendwann gehen kann, irgendwann keine Windeln mehr braucht und irgendwann durchschläft. 2019 kommt bestimmt.

Und gleichzeitig halte ich es für immens wichtig, jede Phase bewusst zu leben. In jeder Phase den Teil zu finden, der Dich glücklich macht, der Dir Freude bereitet, der Dich bewusst leben lässt.

Denn das Leben ist zu wertvoll, als dass man es sich vorbei wünschen sollte. Die Lieblingstochter wird nächste Woche ein Jahr alt. Die Zeit fliegt, so oder so.

Aber so einfach ist das nicht.

Kürzlich habe ich einen wunderbaren Online Kurs belegt. Alle Live Calls waren um 19 Uhr. Das ist praktisch aussichtslos für mich. Der beste aller Männer schafft beide Lieblingskinder zu dieser Uhrzeit nicht. Alle haben Hunger, alle sind müde, es ist, zumindest für uns, die herausforderndste Zeit am Tag und allein als Erwachsener mit beiden kanns schwierig werden.

Also habe ich die Live Calls später angesehen. Das war besser als nichts.

Auf Geburtstagsfeste gehe ich momentan von 20.30 Uhr bis 22.30 Uhr. Die Lieblingstochter ist pünktlich um 23 Uhr wach und will mich. Und nur mich.

Und das ist ok.

Die Lieblingstochter hat ein Recht auf ihre Mami. Und ja, manchmal nervt das. Manchmal macht mich das auch wütend. Aber ihr Recht geht vor meine Befindlichkeit. Sie ist wichtiger.

Meine Befindlichkeiten werde ich wieder leben. Irgendwann schlafen die Lieblingskinder durch. Irgendwann sind die Lieblingskinder heilfroh, wenn wir am Abend ausgehen. Irgendwann wollen sie auch nicht mehr, dass wir sie abholen von wo auch immer.

Und genau dann denke ich zurück an die Zeit.

Als sich Urlaub nicht wie Urlaub angefühlt hat. Weil die Nächte schlaflos waren. Weil ich fast nichts gelesen habe im Urlaub. Weil für Yoga kein Raum war. Noch nicht einmal vernünftig schwimmen gegangen bin ich dieses Jahr in Italien. Und weil der beste aller Männer und ich keinerlei Zeit zu zweit hatten.

Dafür haben wir mit dem Lieblingssohn unzählige Vulkane und Burgen in den Sand gebaut, die seine Schwester umgehend kaputtgekrabbelt hat.

Kommt diese Zeit wieder? Nein.

Kommt die Zeit für mehr Arbeiten wieder. Ja.

So einfach ist das.

 

Alles Liebe und – wir schaukeln die Kinder gemeinsam ;-),

 

Deine Elisabeth

 

 

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18 Antworten zu Wir bauen Sandburgen und das ist auch gut so

  1. Liebe Elisabeth! Du sprichst mir aus der Seele, deshalb würde mich sehr interessieren, wie Du Yoga in Deinen Alltag integrierst, bzw. wie Du die Übungen zu dem Bild mit der Yogamatte mit Kinderspielzeug machst als Inspiration. Danke und liebe Grüße, Barbara

    • Danke, liebe Barbara!

      @Yoga: Ich nutze jede freie Minute und erhebe nicht den Anspruch, dass sich die ganze Serie zeitlich ausgehen muss/soll (das wären jedenfalls 90min). Manchmal sinds nur die Sonnengrüße und dann ist die Praxis nach 15min vorbei. Ich hab meinen Perfektionismus diesbezüglich abgelegt. Die Schlusspositionen gibts mit den Kindern praktisch nie, die Sitzpositionen maximal halb.

      AL E

  2. Gott liebe Elisabeth! DAS ist der beste Artikel von dir seit langem für mich. Er ist sowas von wahr und hilft mir gerade irre!
    Ich sitze am Campingplatz und kann nix mit machen, weil sonst Baby 3 im Bauch gefärdet wäre – und ich kann nicht mal schwimmen wenn ich Zeit hätte…

    • Alles Gute für Dich und die kleine Nr.3 und erholsamen Urlaub für Euch vier! Freut mich, dass Dir meine Gedanken weiterhelfen.

      AL E

    • Danke, liebe Heike und alles Liebe zum Geburtstag an Deinen Lieblingssohn! Ich bin momentan ganz fassungslos, dass die Lieblingstochter diese Woche ein Jahr alt wird, wo ist die Zeit bloß geblieben?

      AL E

  3. Liebe Elisabeth,
    vielen Dank für diesen wunderbar ehrlichen und klaren Blogbeitrag. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich denke mir auch immer wieder, es kommt auch wieder Zeit für mehr Arbeit und einen anderen Rhythmus.
    Vor geraumer Zeit ließ ich mich noch von dem Spruch verunsichern: „Du darfst dir den den Tagesrhythmus nicht von deinem Kind diktieren lassen, es muss sich nach deinem Tagesplan richten.“ Inzwischen denke ich mir dann, er (3 J.) muss sich schon sehr an meinem „überwiegend-alleinerziehend-und-selbstständig“- Rhythmus orientieren, wenn ich mich auch nach ihm orientieren kann, dann ist es der richtige Weg. ;)
    LG Manuela

    • Liebe Manuela,

      danke für Deine Worte. Ich persönlich lasse mir meinen Tagesrhytmus durchaus von meinen Lieblingskindern diktieren und fahre sehr gut damit. Die Luftlöcher, die mir die beiden lassen oder die durch helfende Hände und Kindergarten entstehen, nutze ich dann für mich. Schließlich sind die beiden gleichwertige Familienmitglieder und haben genauso wichtige Bedürfnisse ;-).

      AL E

  4. Liebe Elisabeth,

    vielen, vielen, vielen Dank für diesen Text.
    Seit 2 Tagen sitze ich und grüble. Ok ich hatte keinen Stress, ganz bewusst. Aber ich habe mit mir gehadert, weil nichts absolut nichts geht neben meinem Sohn.
    Bei uns sind die Phasen um einiges länger, aber gut, das ist halt so. Auch die gehen vorbei und auch die Ferien gehen vorbei.
    Danke für das Gefühl nicht alleine zu sein!

    Alles Liebe
    Elisa

    • Liebe Elisa!

      Ich kenne das auch gut, gefühlt alle kriegen so viel weiter, nur man selbst sitzt da und bespaßt die Lieblingskinder (was wir ja auch sehr gerne tun). Jede Phase hat ihre ganz eigene Qualität und jede Phase geht vorbei.

      Wir schaukeln die Kinder gemeinsam, schon vergessen ;-)?

      AL E

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© 2016 Elisabeth Kollmann