Multitasking und andere Lügen

Multitasking und andere Lügen

Kennst Du das?

Eine Frau schiebt den Kinderwagen, beruhigt mit Sch-Sch-Sch-Lauten das liebe Kleine, isst nebenbei schnell ein Weckerl (ok, ein Brötchen), telefoniert obendrein und hebt auch noch die Spielsachen auf, die das Lieblingskind munter aus dem Kinderwagen schleudert.

Und wer noch nie in dieser Situation gewesen ist, werfe jetzt bitte mal den ersten Stein.

Kein Stein? Dachte ich mir schon.

Falls das übrigens ein berufliches Telefonat war in unserem Beispiel, dann wäre das noch das berühmte Sahnehäubchen mit Cocktailkirsche auf diese Situation.

Weißt Du was?

Schätz doch mal, wie lange es dauert, bis Du nach einer Unterbrechung wieder in Deiner vollen Konzentration bist. So richtig schön im Flow, total fokussiert und konzentriert. Dauert das nach einer Störung zehn Minuten, vielleicht sogar fünfzehn?

Weit gefehlt.

Satte und unvorstellbare 30 Minuten dauert es, bis wir konzentrationsmäßig wieder dort sind, wo wir vor der Unterbrechung waren. Soll heißen: Geschäftsmamas arbeiten praktisch nie voll konzentriert, wer hat schon 30 Minuten am Stück ohne ein Lieblingskind. Also passiert natürlich schon, aber so sicher ist das alles nicht. Vor allem nicht für die Lieblingskleinkindmütter.

Wenn es also 30 Minuten dauert, bis frau wieder ganz und so richtig tief eingetaucht ist in die Arbeit, muss das konsequenterweise Folgendes heißen, so Du Deine Arbeitszeit effektiv nutzen willst:

1. Dein Handy

Dreh Dein Telefon lautlos und leg es außerhalb Deiner Sichtweite irgendwohin. Auch SMS können warten. Und Whatsapp übrigens auch.

2. Deine E-Mails

Dreh die Funktion „automatische E-Mail Benachrichtigungen“ auf Deinem Computer ab. Weg damit. Wann immer ein E-Mail aufpoppt, bist Du abgelenkt. Und wieder sind 30 Minuten beim Teufel.

3. Deine To-Do-Liste

Sei Dir klar darüber, was Du in der Zeit, die Dir gerade zur Verfügung steht, erledigen willst. Genau deshalb gibt es To-Do-Listen. Sonst findest Du Dich irgendwann auf Facebook wieder und erledigt ist wieder nix.

4. Beginne den Arbeitstag mit einem kreativen Prozess

Fang Deine Arbeitszeit niemals mit dem Beantworten Deiner E-Mails an. Beantworten heißt Reagieren. Das ist wichtig und das ist gut. Aber auch nicht so wichtig und auch nicht so gut, dass Du Deine ganz Frische, Deinen ganzen Elan da hineinpulverst. Beantworte Deine Mails, wenn Dein Kopf ein bisschen müde ist und Du schon jede Menge erledigt hast. Deine Frische, Dein Elan setzt Du besser für kreative Prozesse ein. (Ich habe meine Mails heute auch noch nicht erledigt, ich schreibe lieber gerade einen Artikel.)

5. Zeit ohne Lieblingskinder

Und das ist eigentlich der wichtigste Punkt:

Schaffe Dir Zeiten alleine ohne Lieblingskinder. Es hat da mal so einen ganz wunderbaren Versuch gegeben. Die eine Gruppe hat eine Aufgabe nach der anderen zu erledigen bekommen. War eine Aufgabe fertig, kam die nächste. Die andere Gruppe hat alle Aufgaben gleichzeitig gestellt bekommen. Und sollte alles miteinander und parallel erledigen.

Wer war bei weitem schneller fertig? Richtig geraten. Die Gruppe, die hübsch eines nach dem anderen erledigen sollte. Wem erging es subjektiv besser? Wer hatte das größere Erfolgserlebnis? Auch klar. Ich höre auf weiter Salz in die Wunden von Geschäftsmamas zu leeren.

 

Ich kenne das ja alles selbst nur zu gut.

Und bei uns sieht es nicht so zivilisiert aus wie auf dem Bild da oben.

Die Lieblingstochter krabbelt zu einem Spielzeug des dreijährigen Lieblingssohnes, das sie natürlich überhaupt nicht in den Mund nehmen soll, weil zu kleinteilig. Der Lieblingssohn bemalt gerade irgendwas mit Fingerfarben, am liebsten seine eigenen Hände und Unterarme. Dann muss er ins Badezimmer zum Händewaschen rennen, weil ihn die Farbe am Körper stört und zieht eine Spur in gelb-rot-blau hinter sich her. Ich müsste total dringend ein E-Mail rausschicken und Abendessen kochen sollte auch noch jemand, vermutlich auch ich in Ermangelung anderer anwesender volljähriger Personen. Wenn dann noch der beste aller Männer nach Hause kommt und fragt, wann das Essen endlich fertig ist…

Solche und ähnliche Situationen sind zum Scheitern verurteilt.

Eine Geschäftsmama kann ganz wunderbar organisiert sein, kann vielleicht auch megaviel erreichen, während sie das Lieblingskind in der Babytrage hat, aber irgendwann braucht es Zeit alleine, um das Business voranzubringen. Und da braucht es klare Worte und klare Ansagen.

Leider gibt es zu viele Geschäftsmamas da draußen, die die Lieblingskinder schupfen, den Haushalt erledigen, das Abendessen kochen und in der Zeit, in der die Lieblingskinder schlafen oder in einer Betreuungseinrichtung sind, dann auch noch ihr Business vorantreiben.

Was macht der Mann?

Er geht arbeiten. Und abends und am Wochenende beschäftigt er sich mit seinen Lieblingskindern, damit die Frau in Ruhe kochen kann.

Ist das fair?

Das muss jede Geschäftsmama für sich selbst entscheiden.

Ich meine nein.

Gerade zum Aufbau eines erfolgreichen Business braucht es so viel Konzentration, so viel Fokus, so viel Mut, so viel Elan, da braucht es auch Entlastung im Haushalt und bei den Lieblingskindern. Und das muss das Umfeld wissen. Da braucht es klar formulierte Aussagen ohne Konjunktive oder Unterwürfigkeit.

50:50 gibt es (nicht)

Ich sag’s ganz offen, mir ist noch keine Familie begegnet, wo 50:50 wirklich gelebt wird. Kinderbetreuung, Haushalt, Kochen, Einkäufe erledigen – 50:50 habe ich noch nie gesehen. Ich freue mich auf Kommentare, die mir Gegenteiliges berichten.

Aber ich muss noch was sagen.

Ich persönlich will gar nicht 50:50. Also nicht bei allen Dingen.

Ich habe mich ganz bewusst für diesen Job entschieden, weil ich an den Nachmittagen Zeit haben möchte für meine Lieblingskinder. Ich will keinen Job, wo ich erst um sechs am Abend heimkomme. Das war einer der wichtigsten Gründe für mein Online Business. Und ich mache gerne mehr im Haushalt, weil dann ist es wenigstens so erledigt, wie ich es mag.

Wie bitte?

Moment. Warte mal. Bist Du nicht die, die immer von Delegieren spricht?

Stimmt. Ich habe viel an den besten aller Männer delegiert. Einkäufe erledigen, Frühstück machen, Küche nach dem Abendessen sauber machen zB. Aber bei manchen Sachen bin ich ganz froh, wenn sie in meiner Hand bleiben. Kinderkleidung besorgen, Wäsche waschen, um nur einiges anzuführen. Und natürlich die Nachmittagsgestaltung mit den Lieblingskindern.

Warum ich Dir das erzähle?

Weil es nicht die eine richtige Lösung gibt. Es gibt nur die Lösung, die für Dich passt. Und für Deine Lieben.

Und wenn Du das Gefühl hast, Du brauchst mehr Unterstützung, dann hol sie Dir. Es hat noch nie jemand ein erfolgreiches Business ohne fokussiertes Arbeiten aufgebaut. Und dafür brauchst Du Zeit. Aber wenn es Dir wichtig ist Deine Wäsche selbst zu waschen (so wie mir), dann tu’s doch einfach. 50:50 um jeden Preis bringt Dich auch nicht weiter.

Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Umsetzen der fünf Punkte und ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen damit!

 

Alles Liebe und – wir schaukeln die Kinder gemeinsam ;-),

 

Deine Elisabeth

 

ps Schreib mir Deine Gedanken dazu! Wie ist es bei Euch zu Hause? Wie geht es Dir mit dem Umsetzen der fünf Punkte? Hast Du einen Tipp für andere Geschäftsmamas? Ich bin neugierig!

 

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7 Antworten zu Multitasking und andere Lügen

  1. Liebe Elisabeth!
    Du sprichst (schreibst) mir aus der Seele.
    Danke für deine einfühlsamen Zeilen, die meine Kopf wieder etwas in die Höhe locken und meine Mundwinkel zum zucken bringen… schmunzeln meine ich :-)
    Schönen Tag noch für dich!
    LG Patricia

  2. Liebe Elisabeth!

    Du sprichst mir aus der Seele! Ich mache mir immer wieder so viele Gedanken darüber, wie unfair die Welt plötzlich wird, sobald man Kinder hat. Und dann die Zwickmühle, dass Gerechtigkeit gar nicht so einfach ist, weil in uns Mütter ja die Versorgung der Kinder natürlich angelegt ist (nur unser Körper kann gebähren und stillen). Wir wollen uns 1. um die Kinder kümmern und wir wollen 2. den Haushalt zumindest im Überblick behalten, aber wir wollen uns 3. auch beruflich verwirklichen! Und wir wollen für alles, insbesondere für Punkt 1 und 2 Wertschätzung!

    Ich thematisiere genau das in meinem Fortsetzungsroman, den ersten Teil habe ich vor etwa 10 Tagen bei den Geschäftsmamas gepostet, hier noch mal der Link: http://www.onlinegeschichten.com/korongkokong-korongkokong-so-schlaegt-das-familienherz/

    Vielleicht hast du ja mal Zeit, reinzulesen.

    Ich freue mich auf die Frühjahrschallenge, auf deine Ansätze zum Thema und darauf, mich weiter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

    Alles alles Liebe
    Nicole

    • Ich freue mich, dass Du bei der Frühlings-Challenge dabei bist! Das mit der Gerechtigkeit ist wirklich schwierig, ich persönlich entscheide es jeden Tag neu. Was gestern gepasst hat, funktioniert für mich heute möglicherweise nicht. Interessanterweise hat das zweite Lieblingskind mehr Gerechtigkeit gebracht. Jetzt hat jeder ein Kind, beide haben weniger Freiraum, was schwierig ist, aber das Verständnis für meine Situation ist auf Seiten des besten aller Männer größer geworden. (Und er muss jetzt auch mehr machen ;-) )

      Deinen Roman hatte ich schon gesehen, wichtiges Thema… alle Geschäftsmamas anklicken, jetzt und sofort!

      AL E

  3. Sehr guter Artikel,kommt genau auf den Punkt,liebe Elisabeth! Ich bin neugierig,was andere Geschäftsmamas noch so für Ideen haben,was man an den lieben Mann abgeben kann an Aufgaben…das könnte ganz inspirierend sein…
    Einkaufen steht bei uns auch auf der Liste,Auto zauberhaften und 3mal abends die Kleine ins Bett bringen…und da sich mein Mann gerade von einer Krankheit erholt,geht noch nicht mehr.
    LG,INès

  4. Hallo Elisabeth!

    Du bringst es genau auf den Punkt.
    Wir fühlen uns ausgelaugt und sind nervös und manchmal dann oft grantig, wenn etwas nicht so läuft. Mit den Gedanken schon beim nächsten To Do.
    Auf Dauer macht das krank und unzufrieden.

    Das Wichtigste das ich in den letzten Wochen gelernt habe ist, nicht die Schuld jemand anderem zuzuschieben und anderen nicht vorhalten, was man selber nicht auf die Reihe bekommt.

    Einen Spiegel vorgehalten bekommen kann ganz schön weh tun, aber es kann uns auch ein ganzes Stück weiter bringen.

    Alles Liebe
    Elisa

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© 2016 Elisabeth Kollmann