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Lieblingskinder

Ich will mich nicht scheiden lassen

By 10. Februar 2017 Mai 6th, 2019 2 Kommentare

Wusstest Du, dass die Scheidungsrate am höchsten ist, wenn das älteste Kind drei Jahre alt ist?

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Das und noch viel mehr muss Frau doch erreichen.
Wir sollen schlank und hübsch sein. Ausgeschlafen und gut gelaunt. Die Wohnung ist immer aufgeräumt, das Essen sowieso bio und frisch gekocht. Beruflich sind wir auch ein big player und die Lieblingskinder? Na die tragen nur bio korrekte und entzückende Wäsche, sauber, versteht sich und sind die hübschesten Kinder der Welt. Wohl erzogen sind sie übrigens auch.

Und erst unsere Partnerschaft

Da unsere Lieblingskinder naturgemäß brave Schläfer sind, haben wir ein erfülltes Liebesleben. Ist doch klar.
Zu viel Hollywood geschaut?
Die Realität sieht anders aus, aber das weißt Du auch ohne mich.

Wo bleibt sie denn, die Partnerschaft?

Eines kann ich aus Erfahrung berichten. Eine Partnerschaft neben zwei kleinen Lieblingskindern zu leben, ist eine gelinde gesagt eine Herausforderung.
Schlafentzug und Alltagssorgen tun ihr Übriges.

Was kannst Du tun?

Stellen wir uns vor, Du hast mit Deinem besten aller Männer so richtig schön gestritten. Und wenn Du dann gerade wieder so richtig sauer oder frustriert bist, dann lass mal los.

Klingt unmöglich?

Geh ausgiebig duschen, nimm Dir ein paar Minuten für Dich, geh früher schlafen, versuch in all dem Chaos, in dem man automatisch mit Lieblingskleinkindern lebt, ein bisschen Raum für Dich zu finden. Schau, dass Du ein bisschen Luft bekommst.
Und dann frag Dich, ob’s wirklich so schlimm ist. Dein Schlafentzug spielt Dir vielleicht einen Streich und dramatisiert, was man auch gelassener sehen könnte.
Halte Dir immer wieder vor Augen, dass das hier gerade nur eine Phase ist. Irgendwann sind alle Lieblingskinder in der Schule, irgendwann schläfst Du wieder mehr, irgendwann hast Du wieder mehr Zeit für Dich und Ihr habt wieder mehr Zeit füreinander.

Augen zu und durch

Wer behauptet, mit Lieblingskleinkindern hat man immer ein erfülltes Liebesleben, lebt eine harmonische und ausgeglichene Beziehung und bekommt wöchentlich einen Strauß roter Rosen, der lügt.
Die Prioritäten verschieben sich zwangsweise, wenn Kleinkinder da sind, und die Nächte sind anders zu viert im Bett als zu zweit. Wer denkt schon an Sex, wenn gerade ein Lieblingskind schlecht geträumt hat und sich weinend ankuschelt.

Und das ist ok so

Zumindest für einen Zeitabschnitt. Es wird der Tag kommen, wo kein Lieblingskind mehr in Dein Bett kriecht, wo Du niemanden mehr herumtragen musst in der Nacht, wo niemand mehr ein Flascherl will um 4 Uhr früh.

Und soll ich Dir was sagen?

Du wirst todtraurig darüber sein. Und – ich geb’s zu – wahrscheinlich auch erleichtert. Diese Ambivalenz begleitet uns doch die ganze Zeit als Mütter.

Und was mache ich jetzt mit meiner Partnerschaft?

Wenn Du knapp vorm Wutausbruch (oder auch notfalls danach) bist, geh auf Abstand und wenn Du nur länger auf die Toilette gehst. Ich bleibe dabei, so mancher Konflikt dramatisiert sich aufgrund des konstanten Schlafentzugs, aufgrund der konstanten Überforderung, aufgrund dessen, dass Ihr zu wenig Paarzeit habt und – dabei wäre das so wichtig – weil Du zu wenig Zeit für Deine eigenen Bedürfnisse hast.

Versuche Rückzugsorte für Dich zu finden, damit wieder mehr Raum entsteht.
Schlaf eine Nacht drüber, dann ist der Konflikt vielleicht schon kleiner.
Leg nicht jedes Wort auf die Waagschale, Dein Partner ist möglicherweise kein Diplomat und unter dem Schlafentzug leidet auch er.
Und – ganz wichtig – denk immer daran, es ist alles nur eine Phase.

Geht aufeinander zu

Gerade wenn es so dicht, so chaotisch, so schwierig ist – mach einen Schritt auf Deinen Partner zu. Geht zu zweit essen und wenn das nicht möglich ist, such aktiv das Gespräch, wenn alle Lieblingskinder schlafen. Und wenn’s während einer Autofahrt ist. Rein mit Eurer Lieblingsmusik und quatscht mal wieder entspannt und nicht über den täglichen Organisationskram, wer wann welches Lieblingskind von wo abholen muss. Die Lieblingskinder haben hoffentlich Erbarmen und schlafen auf dem Rücksitz.

Und was ist mit dem Sex?

Machen wir uns nichts vor. Sex mit Lieblingskindern im gleichen Bett ist nicht so einfach. Auch mit Lieblingskindern im Nebenzimmer will nicht so schnell die pure Erotik aufkommen.

Schon mal an ein Stundenhotel gedacht?

Ein Stundenhotel kann eine witzige Erfahrung sein, vor allem eine witzige gemeinsame Erfahrung – und oft fehlt es ja auch am Spaß als Paar im Alltag mit all diesen Lieblingskindern rundherum. Es soll übrigens Paare geben, die regelmäßig ins Stundenhotel gehen, frei nach dem Motto: ein monatlicher gemeinsamer Besuch im Stundenhotel kommt billiger als eine Paartherapie.
Wie immer freue ich mich auf viel Austausch unter diesem Artikel!

Was tust Du, um Deine Partnerschaft zu pflegen?

Alles Liebe,

 

Deine Elisabeth

2 Kommentare

  • Karen sagt:

    Yes.
    Endlich mal eine die Tacheles spricht. So ist es. Ich bin auch immer so in die Welt – mit meiner Wahrheit aber die Frauen um mich herum schwiegen. Vielleicht haben sie stillschweigend innerlich genickt, mitleidig auf mich geschaut, um von sich selbst abzulenken.
    So ist es. Eine Phase. Schauen wir doch mal in die Tierwelt. Es gibt Tierarten, die machen in der Kleinkindphase nichts anderes als Bemuttern, Sich kümmern, Begleiten ….meist steckt ein Partner seine ganze Kraft in die Nachkommen und der andere schafft das Essen ran oder sorgt für Sicherheit.
    Also…..Entspannung für uns Frauen. Hingabe an diese Lebensphase, sonst jammern wir Jahre später der Einzigartigkeit dieser Zeit hinterher, wenn wir diese nicht mit Haut und Haaren verinnerlicht haben.
    Danke für das Teilen diesen Impulses.
    Ganz besonders schön und frech der Satz: ….“wer behauptet,…….., der lügt“. Sehr schön 🙂
    Und ja: Der Schlüssel liegt darin jede Minute auch für uns selbst zu sorgen. In Minihäppchen und das Drama draussen zu lassen.
    Alles Liebe
    KAREN

    • Elisabeth sagt:

      Danke Karen fürs noch mal Rausstreichen, dass wir jede Phase geniiiiiiießen sollten, gerade diese Phase ist – gerechnet aufs Leben – so kurz. Und wer erinnert sich nicht gerne an diese Nächte, die zwar schlaflos waren, aber von so viel Innigkeit und Liebe geprägt waren 20 Jahre später?

      AL E

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